Genau regulierter Prozess, von Anfang an

Immunglobulin G – wichtiger Bestandteil für unser Immunsystem
Was sind Immunglobuline und warum sind sie so wichtig?1
Bei den Immunglobulinen, auch Antikörper genannt, handelt es sich um y-förmige Eiweißmoleküle, die von unserem Immunsystem als Reaktion auf eingedrungene Pathogene* aus der Umwelt gebildet werden. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, Krankheitserreger für das übrige Immunsystem kenntlich zu machen, damit diese schnell von anderen Komponenten des Abwehrsystems erkannt und unschädlich gemacht werden.
* Pathogene sind Mikroorganismen, Viren und Gifte, die eine Erkrankung hervorrufen können.
Was passiert, wenn Immunglobuline fehlen?1, 2, 3
Wenn das Immunsystem nicht genügend Antikörper bildet, ist es nicht mehr so schlagkräftig und kann Eindringlinge wie Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze nicht oder nur unzureichend abwehren.
Die betroffenen Personen können anfälliger für Infektionen aller Art sein. Diese dauern dann oft länger an und können schwerer verlaufen, selbst wenn es sich bei den Auslösern um für gesunde Menschen normalerweise völlig harmlose Erreger handelt. Außerdem sind sie häufiger mit komplizierteren Krankheitsverläufen verbunden.
Ein Mangel an Antikörpern kann angeboren sein (primärer Immundefekt) oder auch im Zuge einer Erkrankung (sekundärer Immundefekt) entstehen.
Bei welchen Erkrankungen ist eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen zugelassen?1, 2, 3, 4
Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Erkrankung, die mit Entzündungen zahlreicher peripherer Nerven einhergeht
Chronisch entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)
Chronische Erkrankung, die durch Entzündungen der peripheren Nerven gekennzeichnet ist und Muskelschwäche und/oder Taubheitsgefühl hervorruft, vor allem in den Beinen und oberen Gliedmaßen
Multifokale motorische Neuropathie (MMN)
Erkrankung der motorischen Nerven, die durch langsam fortschreitende Schwäche der Arme und Beine gekennzeichnet ist
Primäre Immunthrombozytopenie (ITP)
Wenn nicht genügend Blutplättchen vorhanden sind und in naher Zukunft ein operativer Eingriff vorgesehen ist oder ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht
Kawasaki-Syndrom
Erkrankung, die Entzündungen mehrerer Organe im Körper hervorruft, insbesondere der Blutgefäße
Primäres Immundefektsyndrom (PID)
Erkrankung, die Entzündungen mehrerer Organe im Körper hervorruft
Sekundäres Immundefektsyndrom (SID)
Erworbener Antikörpermangel bei Patienten, die an schweren oder wiederkehrenden Infektionen leiden und bei denen eine antimikrobielle Behandlung unwirksam ist und die entweder ein nachgewiesenes Versagen von spezifischen Antikörpern oder einen niedrigen Immunglobulin G-Spiegel (< 4 g/l) aufweisen
Wie werden Immunglobuline intravenös verabreicht?5
Intravenöse Gabe, direkt über die Vene
Sie erfolgt in der Regel alle drei bis vier Wochen unter ärztlicher Aufsicht, entweder in der Arztpraxis oder in der Klinik. Die Infusionsrate variiert, abhängig von Dosis und Verträglichkeit. Unmittelbar nachdem das Immunglobulinpräparat als Infusion in die Vene appliziert wurde, steigt die Konzentration der verabreichten Antikörper im Blut stark an. Es ist ein ganz natürlicher Prozess, dass diese anschließend im Körper wieder abgebaut werden, sodass innerhalb von drei bis vier Wochen die Konzentration der verabreichten
Antikörper wieder auf den Stand vor der Gabe zurückkehrt.
Dosierung
Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin, legt die für den jeweiligen Patienten passende Dosierung fest. Hierbei werden unter anderem Gewicht, Art und Schwere der Erkrankung, Häufigkeit der Infekte, vorangegangene Behandlungen und vor allem IgG-Talspiegel berücksichtigt.
Wie ist die Verträglichkeit?1
Die Ersatztherapie mit modernen Immunglobulinen ist gut verträglich und zeigt ein gutes Sicherheitsprofil.
In den Fällen, in denen diese dennoch auftreten, sind sie in der Regel mild und reversibel, das heißt,
sie verschwinden nach kurzer Zeit wieder von selbst. Beachten Sie hierzu bitte die Gebrauchsinformation
Ihres Immunglobulinpräparats.
Wenn Sie meinen, bei sich Nebenwirkungen zu beobachten, informieren Sie bitte umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darüber. Gemeinsam mit Ihnen werden diese dann besprechen, wie weiter vorzugehen ist.
Monate von der Plasmaspende bis zum fertigen Produkt6
Spenden, die zur Behandlung eines Patienten mit angeborenem Immundefekt benötigt werden7
markiert den Beginn einer neuen Ära: Biotest produziert das erste intravenöse Immunglobulin
Wie werden Immunglobuline hergestellt?
Aufwändiges Produktionsverfahren für hohe Sicherheit8
Die Basis für Medikamente, die Immunglobuline enthalten, ist das Blutplasma freiwilliger, gesunder Spenderinnen und Spender. Umfangreiche Maßnahmen während des Herstellungsprozesses stellen sicher, dass das verarbeitete Plasma keinerlei Krankheitserreger enthält. Jedes aus Blutplasma hergestellte Medikament wird von einer unabhängigen Prüfstelle – in Deutschland ist es das Paul-Ehrlich-Institut – begutachtet.
Wo kommt das Blutplasma her?
Plasmabasierte Arzneimittel „Made in Germany“
Der Bedarf an Plasmapräparaten wächst: Plasmaspendezentren verschiedener Unternehmen und nichtstaatlicher Einrichtungen haben in der EU zu einer deutlichen Zunahme an Plasmaspenden beigetragen.
Biotest verarbeitet dabei einen hohen Anteil an Plasma, das von Spenderinnen und Spendern aus Deutschland und Europa stammt. Das Unternehmen betreibt heute 40 Plasmaspendezentren, davon 14 in Deutschland.
Europäisches Plasma stellt eine zentrale Säule für die Versorgungssicherheit mit Plasmaprodukten dar. Es schützt zudem vor den in Europa am häufigsten vorkommenden Infektionen, da es speziell hier verbreitete Antikörper enthält.<sup>9</sup>
Weitere Informationen zur Plasmaspende finden Sie unter: www.plasmaservice.de
Biotest – Plasmapräparate „Made in Germany“
Biotest entwickelt und produziert Medikamente auf Basis menschlichen Blutplasmas, die das Leben von Schwerkranken wesentlich erleichtern können.
Um zu einer stabilen Gesundheitsversorgung in Deutschland beizutragen, hat Biotest es sich zum obersten Ziel gesetzt, dass Patientinnen und Patienten zuverlässig Zugang zu essenziellen Medikamenten haben und es nicht zu Versorgungsengpässen kommt.
Im Jahr 2021 hat Biotest die Produktionsanlage „Biotest Next Level“ im hessischen Dreieich in Betrieb genommen. Das 600-Millionen-Euro-Projekt ist ein bedeutender Meilenstein der Unternehmensgeschichte; die Anlage ist eine der modernsten nachhaltigkeitsorientierten Produktionsanlagen weltweit. Dort können aus einem Liter Plasma deutlich mehr unterschiedliche Produkte gewonnen werden als zuvor – was eine erheblich effizientere Nutzung des Rohstoffs Plasma bedeutet.
Hilfreiche Links
Hilfreiche und informative Links
- dsai e.V. – Patientenorganisation für angeborene Immundefekte
- ÖSPID – Österreichische Selbsthilfegruppe für primäre Immundefekte
- JMF – Jeffrey Modell Foundation
- SVAI – Schweizerische Vereinigung für Angeborene Immundefekte
- GBS CIDP – Selbsthilfe NRW e.V.
- ITP – Informationsseite zu Idiopathische Thrombozytopenische Purpura
- ESID – European Society for Immunodeficiencies
- DGM – Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V.